Unser Celle ist bunt!

Manuela Mast

Auch in Celle sind die jüngsten Äußerungen des Bundeskanzlers bei vielen Menschen auf großen Widerspruch gestoßen. Der Einladung der Celler OMAS GEGEN RECHTS zu einer Kundgebung am Schäferbrunnen in den Triftanlagen folgten deshalb am Freitag, 31. Oktober um 14.00 Uhr, 100 Celler*innen, um ein klares Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung und für Vielfalt und Toleranz zu setzen. Anlass waren bundesweite Diskussionen nach Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Thema „Stadtbild und Migration“.

“Als OMAS setzen wir uns dafür ein, dass die Probleme unseres Landes nicht auf dem Rücken einzelner Personengruppen ausgetragen werden. Nicht Menschen, die migrantisch gelesen werden, sind das Problem im Stadtbild, sondern Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung. Mit einer Fotoaktion wollen wir zeigen, dass unsere Stadt von Vielfalt und Toleranz lebt.” lautete die Einladung. 

Welches Stadtbild wollen wir?

Sigrid Hestermann von den OMAS GEGEN RECHTS setzte sich in ihrer Ansprache mit der Formulierung auseinander, mit der Bundeskanzler Merz eine Debatte über das Erscheinungsbild deutscher Städte ausgelöst hatte. Sie äußerte die Sorge, dass solche Aussagen gesellschaftliche Spannungen verstärken könnten. Ihre Forderung, dass Merz sich auf seine Aufgabe als Bundeskanzler konzentrieren solle, seine populistischen Aussagen zurücknehmen solle und sich dafür entschuldigen solle, fand viel Beifall von den Demonstrierenden. Man dürfe das Stadtbild nicht denjenigen überlassen, die es mit Hass füllen. Sie befürchte, dass als nächste Queere, Behinderte und Alte das Problem im Stadtbild seien. Sie stellte die Frage in den Raum

„Welches Stadtbild wollen wir – eines der Ausgrenzung oder eines der Offenheit und Solidarität.“ 

Sie appellierte an die Teilnehmenden, für ein respektvolles Miteinander und gegen Diskriminierung einzutreten.

Wir bleiben Teil des Stadtbildes

Als weitere Rednerin sprach Behiye Uca, Leiterin der Felekna Ucas Stiftung. „Wer im Jahr 2025 noch Migration als ein Problem des Stadtbildes bezeichnet, hat nicht verstanden, was Deutschland längst ist: ein Einwanderungsland.“ Wer Integration wolle, dürfe Migranten nicht zu Störfaktoren erklären. Der Bundeskanzler spalte mit solchen Äußerungen die Gesellschaft und verstärke das rassistische und diskriminierende Klima. 

„Wir aber bleiben Teil des Stadtbildes, ob es Leuten wie Friedrich Merz passt oder nicht.“ 

Was Merz in Potsdam gesagt habe, verrate sein Weltbild. „Das Bild von deutschen Städten, in denen Menschen mit anderen Hautfarben, anderen Namen und anderer Herkunft offenbar als Problem gelten. Das ist nichts anderes als rassistisch. - Doch es gibt etwas Gemeinsames und das sieht so aus, wir wollen, dass es allen Menschen in unserer Gesellschaft gut geht.“ Sie wollten, dass Armut und Gewaltverhältnisse verschwinden würden und dabei ließen sie sich nicht rassistisch gegeneinander ausspielen. „Wir sind das Stadtbild – alle gemeinsam zusammen.“ 

Auch Die Linke sieht Probleme im Stadtbild

Allerdings anders ausgeprägt als unser Bundeskanzler sie präsentiert. Wir sehen das Problem der Obdachlosigkeit, der Armut und der Vereinzelung der Mitmenschen. Immer öfter begegnen einem Menschen, die kein Obdach finden oder Renter*innen, die Flaschen sammeln müssen, weil das Geld nicht bis Ende des Monats reicht. Auch wir sehen, wie Menschen kaum noch am Stadtleben sich beteiligen können und die Konsumwelt in den Städten weitaus mehr Raum einnimmt als das gesellige Beisammensein. Ebenso ist uns aufgefallen, dass die Jugend kaum noch innenstädtische Orte hat, an denen sie sich konsumfrei treffen können. Ältere oder auf dem Land lebende Menschen haben kaum noch Möglichkeiten den städtischen Raum aufzusuchen, weil es keine vernünftige Anbindung des ÖPNV gibt. So leeren sich deutsche Innenstädte und die Verbindung zwischen den Menschen nimmt immer mehr ab. Im Gegensatz zu einem Merz kritisieren wir aber nicht nur, sondern wir haben Ideen, wie wir es gemeinsam schaffen können, dass Solidarität und Gemeinsinn endlich wieder einen Platz im Stadtbild finden können. So planen wir, wie Jüngere auch in den Abendstunden am kulturellen Leben der Stadt besser teilnehmen können, wie Obdachlose endlich wieder eigene Wohnungen beziehen können, wie Jugendliche endlich einen konsumfreien Ort der Zusammenkunft (Jugend-Café) in der Innenstadt selber gestalten können und wie Senior*innen nicht mehr so weite Wege in die Innenstadt laufen müssen. Dazu haben wir konkrete Anträge in den Stadtrat eingereicht und hoffen auf eine breite Unterstützung in der Gesellschaft. Für ein Stadtbild des gesellschaftlichen Lebens & Miteinanders!