Wir malen den Regenbogen, der nicht sein darf!
Der Regenbogen ist gut vier Meter breit und über 20 Meter lang geworden. Es ist eine Aktion am Mittwoch vor der Stadtkirche, initiiert von Manuela Mast, Kreisvorsitzende der Linken in Celle. Auslöser der Aktion ist ein Antrag der Wählergruppe Zukunft Celle, der bereits im August eingebracht worden war. Dr. Jörg Rodenwaldt schlägt darin vor, an ausgewählten und stark frequentierten Orten im Stadtgebiet Regenbogenmarkierungen oder farbige Installationen zu schaffen – etwa in Parks oder auf Wegen. Ziel sei es, ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Akzeptanz zu setzen. Die Stadtgesellschaft stehe aus seiner Sicht mehrheitlich für Demokratie und Toleranz.
„Celle ist eine weltoffene Stadt, in der Vielfalt gelebt wird und zu Hause ist“, begründete Dr. Rodenwaldt seinen Vorstoß.
Bereits morgens um 9 Uhr starteten Manuela Mast und Annika Bastek mit der Malaktion. Nach einer kleinen Mittagspause malten sie weiter bis 16.30 Uhr, sammelten dann die Kreidestücke zusammen und machten sich auf dem Heimweg.
„Ich mache das, um zu sehen, wie die Bevölkerung dazu steht”, sagte die 43-Jährige gegenüber der CZ.
Die Stechbahn wäre ein guter Platz für einen Regenbogen, auch in dieser Größe. Es beeinträchtige nicht den Verkehr, verschandele nicht das Stadtbild.
"Viele Bürger*innen haben uns Zuspruch gegeben. Einige Ältere haben auch mal ein Feld ausgemalt und freuten sich, diese Aktion zu unterstützen. Besonders nahe gingen uns die Oma mit ihrer Enkeltochter - beide malten vergnügt mit!" erzählen die beiden Malerinnen.
Nachdenklich stimme sie hingegen, wie 2 junge Mädchen rechtes Gedankengut der Tiktok-Bubble wiederholten und sich anschließend einen älteren Herren zuwendet, der offenbar lautstark und “stark” deren Sichtweise bestärkte.
Anlass der Kreideaktion: Über diesen Regenbogenantrag diskutierten die Politiker im Celler Ausschuss für Klima, Umwelt, Verkehr und technische Dienste diskutierten am Mittwochabend, dem 5. November, ab 17 Uhr im Celle-Saal im vierten Stock des Neuen Rathauses.
Dort hat Jörg Rodenwaldt, Vorsitzender der Ratsgruppe Zukunft Celle, einen Antrag zur Regenbogenfahne im Stadtbild eingebracht. Diese möge dauerhaft an einer Stelle aufgebracht werden. Für Jörg Rodenwaldt, Vorsitzender der Ratsgruppe Zukunft Celle/Die Linke, steht der Regenbogen für „Vielfalt, Offenheit, Gleichberechtigung und Antidiskriminierung“. Und deshalb möchte Rodenwaldt dieses bunte Symbol im Celler Stadtbild sehen. „Geeignete Stellen für dauerhafte Markierungen in Form von Regenbogenstreifen“ solle die Stadtverwaltung ausfindig machen, heißt es in einem Antrag, den Rodenwaldt eingebracht hat. Dafür seien „vorrangig stark frequentierte Orte auf Umsetzbarkeit zu prüfen“, etwa in der Altstadt oder zwischen Bahnhof und City.
Die sich daraus ergebenden Verkehrsgefahren seien „erheblich, sodass ein Einsatz in Bereichen mit Fahrzeugverkehr grundsätzlich nicht in Betracht kommt“, so der Stadtrat Sebastian Stottmeier: „Auch in Fußgängerzonen können derartige Markierungen im Einzelfall verkehrsgefährdend sein.“ Dort seien aber vor allem aber ganz praktische Erwägungen zu berücksichtigen: „Auf Pflastersteinen lösen sich großflächige Farbmarkierungen nach kurzer Zeit ab und sind insofern nicht dauerhaft herstellbar.“ „In historischen Parkanlagen der Stadt Celle bestehen Flächen und Ensembles mit Denkmal- und Ensembleschutz, deren historische Gestalt, Farbwirkung und Materialität Teil des geschützten Erscheinungsbildes sind“, so Stottmeier: „Die Regenbogenbank erzeugt einen Schwerpunkt, der Blickbeziehungen verändert und das Ensemblebild stört. Die vorgeschlagene Farbigkeit und moderne Gestaltungssprache sind nicht Bestandteil des historischen Gestaltungsrahmens und beeinträchtigen die Authentizität.“ - Zitat der CZ am 05.11.2025 (Von Michael Ende - Super Idee oder queerer Quatsch? Stadt Celle sieht Regenbögen als möglicherweise sogar gefährlichen Störfaktor im Stadtbild)
"Diese Argumente haben mich entsetzt. Ein Band der Solidarität, ein Zeichen der Vielfalt, was gerade in der jetzigen Zeit wichtig ist, kann nicht so beiseite gewischt werden. Eine Regenbogen-Bank in irgendeinem Park wäre schon ein Gewinn. Es ist aus meiner Sicht ein Unding, dass ein Zeichen für Vielfalt und queeres Leben mit dem Hinweis auf das Stadtbild infrage gestellt wird,“ sagt die Linken-Vorsitzende.
Die Linken-Aktion ruft die Polizei auf den Plan. Die sieht aber keinen Handlungsanlass. Mit zwei Aktionsteilnehmern könne von einer unangemeldeten Versammlung keine Rede sein. Die Kreidemalerei sei keine Sachbeschädigung.
Annika Bastek (23) hilft spontan mit beim Aufmalen. „Es wäre schön, ein großes Zeichen für Vielfalt in der Innenstadt zu haben.“
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