Wir sind nicht wütend genug.
Stattdessen sind wir taub. Es wirkt, als würde uns nichts mehr erschrecken. Jeden Tag konsumieren wir Nachrichten, eine schrecklichere als die andere. Von militärischen Drohungen um Grönland bis zur Bedrohungen der Selbstbestimmung von Rojava – die Überschriften sind oftmals so herzzerreißend, dass wir uns aus Selbstschutz verschließen.
Erst vor wenigen Tagen erschien eine weitere, verstörende Nachricht. Weitere Dokumente und Bilder der Epstein-Akten wurden nun veröffentlicht.
Ich erinnere mich an Pizza-Gate 2016. Damals schoss ein Mann mit einem Gewehr in einer Pizzeria Washingtons um sich, da im Internet von einem Kinderpornoring dort die Rede war. Und verantwortlichen für diesen sollten, selbstverständlich, die „Eliten“ gewesen sein.
An dem Tag kam glücklicherweise niemand ums Leben. Der Kinderpornoring existierte nicht. Es handelte sich um Verschwörungstheorien, oder wie ich sie in den letzten Jahren nannte – „Schwurbelei“. So ging ich mit jeglichen Nachrichten um, die mit Schlagwörtern wie „geheime Eliten“ arbeiteten – bis die Epstein-Akten erstmals teil-veröffentlicht wurden. Es ist ein schreckliches Gefühl zu sehen, dass ich meine Augen bisher verschlossen habe. Denn Geld ist Macht und die Akten beweisen dies auf Millionen von Seiten. Die Schlagzeilen rund um Epstein, Trump und Andrew Windsor klingen absurd. So absurd, dass ich mein Weltbild hinterfragte. Der Menschenhandel, der sexuelle Missbrauch bis hin zu Vergewaltigungen unter Reichen hatte System und das über Jahrzehnte hinweg. Das wissen wir nun.
Und doch sitzt er im Weißen Haus. Er hat weiterhin Milliarden. Er hat Macht. Ein Mann in enger Freundschaft zu einem Menschenhändler und Pädokriminellen hat die Macht andere Länder zu überfallen und sein eigenes von innen heraus zu zerstören.
Ich bin wütend. Wütend auf mich selbst, da ich die Macht hinter Geld unterschätzt habe. Wütend auf MAGA, die bis heute hinter Trump stehen. Ich bin wütend, dass die Opfer des Epstein-Rings keine Gerechtigkeit erfahren haben. Und ich bin wütend, dass all diese Täter in ihrer von Reichtum triefenden Blase herumschwimmen.
Epstein ist tot. Doch die Schmerzen und Traumata seiner Opfer bleiben real.
Geld ist Macht. Die Macht, das Leben anderer ohne Konsequenzen zu zerstören. Es sollte sie nicht geben. Milliardäre sollte es nicht geben.
Wir sind nicht wütend genug.

