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Daniel Wagner

Unser Vorsitzender, auch Vorsitzender eines Betriebsrates im Altenpflegeheim

Daniel Wagner, Altenpflegefachkraft in einem Altenpflegeheim hat gemeinsam mit anderen Pflegekräften und weiteren Mitarbeitern einen Betriebsrat gegründet. Nun erzählt er als Vorsitzender des neu gegründeten Betriebsrates zur Gründung: Im Altenpflegeheim seien rund 100 Beschäftigte und um die 120 Betten. Einen festen Tarif hätten sie nicht, stünden lohntechnisch jedoch vergleichsweise gut da. Die Idee zu einer Betriebsratsgründung sei schon älter. Er sei seit 2016 dort beschäftigt und bereits vor ihm sei der Versuch halbherzig unternommen worden - jedoch erfolglos.

Zunehmender Personalmangel belastet die Pflege

Neuen Auftrieb habe die Idee durch die zunehmenden personellen Schwierigkeiten bekommen. Ihnen sei klar gewesen, dass ein Betriebsrat jetzt kein neues Personal wird zaubern können. Aber es werde so wesentlich leichter fallen, bestehendes Personal zu halten. Einige Kündigungen der letzten Monate hätten durch eine starke Arbeitnehmervertretung und aufmerksame Kommunikation vermieden werden können. Das alleine habe ihnen ein starkes Motiv gegeben. Sie würden gerne in diesem Haus arbeiten, aber jede Verschärfung der Personalsituation gehe ihnen weiter an die Substanz. Daher hätten sie irgendetwas tun wollen, um vermitteln zu können und dafür zu sorgen, dass das Team erhalten bleibe. Ebenso sollte personeller Druck, aber auch die Verantwortungen in der Pflege nicht nur auf den Schultern der Arbeitnehmer*innen lasten. Sie hätten den Druck vom Kessel nehmen und ihn dahin leiten wollen, wo er hingehöre. Das sei ihr Ziel und sie wären zuversichtlich, dass sie dieses auf die Reihe kriegen würden. Die Pflegenden würden eben weit ernster genommen werden. Allein vorm Chef oder ein Betriebsrat mit größerer Handhabe ihm gegenüber stehe - Das mache schon einen deutlichen Unterschied aus.

Ver.di hat gut und kompetent beraten

Ver.di habe sie dabei gut unterstützt. Jedoch wären sie auch direkt auf Ver.di zugegangen, noch lange bevor die Absicht überhaupt offiziell bekannt geworden sei. In mehreren Treffen mit einer Gewerkschaftssekretärin hätten sie ihr Vorgehen dabei Schritt für Schritt geplant und rechtlich abgesichert. Sie hätten nicht gewusst, wie ihr Chef reagieren würde, daher hätten sie nichts dem Zufall überlassen. Als sie dann zu der ersten Betriebsversammlung aufgerufen hätten, hätten sie den Chef dann persönlich darüber informiert. Gefallen habe es ihm nicht, aber er habe sich auch nicht quer gestellt.

Neues Selbstverständnis der Pflegekräfte

Aber im Endeffekt sei das auch eine klare Angelegenheit. In anderen Branchen gehörten Betriebsräte schließlich mit dazu. Insbesondere in der Pflege würden sich die Pflegenden mit der Einrichtung eines Betriebsrates schwer tun. Ein Stück weit ändere sich da aber auch das Selbstverständnis unter Pflegekräften. Beim heutigen Pflegenotstand wüssten sie besser um ihren Wert als je zuvor. Sollte jemand gekündigt werden, habe die Pflegekraft noch am gleichen Tag die Wahl aus 3 anderen Stellen. Mit diesem Selbstverständnis wären sie auch aufgetreten und da sei die Sache klar gewesen. Allerdings wollten sie ihrem Arbeitgeber den Betriebsrat auch nach Möglichkeit schmackhaft machen. Ein Betriebsrat sei nach außen eben auch ein weiteres Argument für Arbeitnehmer. Denn der Betriebsrat zeuge von mehr Selbstbestimmung und die Pflegekräften könnten auf bessere Arbeitsbedingungen hoffen. Hinzu komme, dass erst wenige Altenheime von sich behaupten könnten, einen eigenen Betriebsrat vorweisen zu können.

Aller Anfang ist schwer

Gewählt hätten sie dann vorrangig in Präsenz in einer "Wahlkabine" im Friseursalon des Betriebs. Aber es habe auch die Möglichkeit zur Briefwahl gegeben, welche auch von ca. 20 % der Belegschaft genutzt worden wäre. Die Wahlbeteiligung habe bei gut 60 % gelegen. Sie seien damit zufrieden, auch wenn es durchaus hätte üppiger ausfallen können. Einige Kolleg*innen seien skeptisch, ob ein Betriebsrat überhaupt etwas bewirken könne oder hätten keine eigene Meinung oder Interesse daran gehabt. Ihre Hoffnung: Vielleicht könnten sie in den kommenden gut vier Jahren auch noch weitere von dem Nutzen eines Betriebsrates überzeugen. Insgesamt seien sie aber durchaus zufrieden, insbesondere darüber das 15 Personen für die Wahl angetreten wären. So könnten sie nun einen 7-köpfigen Betriebsrat vorweisen mit reichlich Ersatzmitgliedern. Ein weiteres Altenpflegeheim habe nun einen Betriebsrat, unumstößlich.