Jugendkonferenz: Gute Ideen gibt es genug – was fehlt, ist der politische Wille zur Umsetzung
Die 7. Celler Jugendkonferenz hat erneut gezeigt: Den jungen Menschen in unserer Stadt fehlen weder Ideen noch Engagement. Was fehlt, ist eine Politik, die endlich beginnt, die Ergebnisse ihrer eigenen Beteiligungsformate ernst zu nehmen.
„Jedes Jahr stellen wir Jugendlichen dieselben Fragen. Vielleicht sollten wir uns stattdessen endlich selbst eine andere Frage stellen: Warum hören wir jedes Jahr dieselben Antworten?", fragt der Kreisvorsitzende der Linken Celle und Ratsherr Stephan Ohl.
Für Ohl ist genau das der Kern des Problems. Die Forderungen nach besseren Busverbindungen, konsumfreien Treffpunkten, einer attraktiveren Innenstadt und mehr Beteiligung seien seit Jahren bekannt. Neu sei daran nichts.
„Die Jugendkonferenz ist nicht das Problem – sie macht das Problem sichtbar. Sie zeigt jedes Jahr aufs Neue, wo es in Celle hakt. Irgendwann müssen wir aufhören, Erkenntnisse zu sammeln, und anfangen, sie umzusetzen."
Für Die Linke gehören die Forderungen der Jugendlichen unmittelbar zusammen. Wer eine lebendige Innenstadt wolle, dürfe Jugendpolitik, Verkehrspolitik und Stadtentwicklung nicht länger getrennt betrachten.
„Wir diskutieren seit Jahren darüber, warum Jugendliche die Innenstadt meiden. Gleichzeitig fehlen Treffpunkte, und die Busse fahren genau dann am schlechtesten, wenn junge Menschen unterwegs sind. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis politischer Entscheidungen."
Gerade deshalb sieht Ohl die langjährige Forderung der Linken nach einem Jugendcafé und einem besseren öffentlichen Nahverkehr durch die Jugendkonferenz bestätigt.
„Ein Jugendcafé ohne gute Busverbindungen ist genauso wenig durchdacht wie neue Buslinien ohne Orte, an denen Jugendliche sich treffen können. Stadtentwicklung funktioniert nicht in Schubladen. Wer junge Menschen ernst nimmt, muss Mobilität, Aufenthaltsqualität und Beteiligung gemeinsam denken."
Mit der Ratsmehrheit zur Vorbereitung einer kommunalen Trägerschaft des öffentlichen Nahverkehrs sei ein wichtiger Schritt gelungen. Jetzt müsse daraus ein Nahverkehr entstehen, der sich am Alltag der Menschen orientiere.
Der verkehrspolitische Sprecher der Linken Celle, Werner Leise, sieht darin eine große Chance.
„Ein 16-Jähriger ohne Führerschein erlebt Mobilität völlig anders als ein Berufspendler mit Auto. Wer Jugendlichen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen will, muss dafür sorgen, dass sie selbstständig zur Ausbildung, zum Sport, ins Kino oder zu Freunden kommen – und abends auch wieder nach Hause. Mobilität ist keine Nebensache. Sie ist Voraussetzung für Chancengleichheit."
Für Leise müsse die kommunale Trägerschaft deshalb jetzt mit Leben gefüllt werden.
„Quartiers- und Alltagsbusse, bessere Abend- und Wochenendverbindungen sowie eine stärkere Anbindung der Ortsteile sind keine Luxusprojekte. Sie entscheiden darüber, ob Menschen am öffentlichen Leben teilnehmen können oder nicht."
Auch die stellvertretende Kreisvorsitzende der Linken Celle, Leni Greiner, sieht in den Ergebnissen der Jugendkonferenz einen klaren Auftrag an Politik und Verwaltung.
„Jugendliche wollen nicht jedes Jahr hören, dass ihre Ideen wichtig sind. Sie wollen erleben, dass ihre Ideen etwas verändern. Wer Beteiligung ernst meint, muss auch den Mut haben, Prioritäten zu verändern. Alles andere kostet Vertrauen in unsere Demokratie."
Deshalb fordert Die Linke, die Jugendkonferenz künftig mit einer verbindlichen Erfolgskontrolle zu verbinden. Die Verwaltung soll dem Rat jährlich öffentlich berichten, welche Vorschläge umgesetzt wurden, welche sich in Bearbeitung befinden und warum einzelne Maßnahmen bislang nicht realisiert werden konnten.
„Politik wird nicht daran gemessen, wie viele Ideen sie einsammelt. Politik wird daran gemessen, wie viele Ideen sie Wirklichkeit werden lässt", so Ohl.
Mit Blick auf die Kommunalwahl zieht er ein klares Fazit:
„Die Jugendkonferenz zeigt jedes Jahr, dass es in Celle nicht an Ideen fehlt. Es fehlt an politischen Mehrheiten, die daraus konkrete Entscheidungen machen. Genau darüber entscheiden die Wählerinnen und Wähler am 13. September."

